Mein Medientagebuch

20. September 2020

Superbusen

Roman von Paula Irmschler, Claassen, 2020

Gemeinhin lese ich nicht mehr viel Belletristik. Paula Irmschlers Roman war mir von einem Freund empfohlen worden, und mit seiner Vermutung, „Superbusen“ würde mir sicher gefallen, lag er ganz richtig.

Was macht einen guten Roman aus? Milieuschilderungen, Zeitbilder. Da wird das WG-Leben in den 1990-ern unaufgeregt, fast lapidar geschildert, in Zweck-WGs wie auch in den besseren. Ebenso die linke Politszene jener Zeit, Antifa-Plena, Aktionen, Demos, Diskussionen. Und dann auch noch die Gründung der titelgebenden (Frauen-)Band, das Leben im Proberaum, Auftritte, oft auch vor recht kleinem Publikum, manchmal auch vor größerem. „Genauso war's!“, war beim Lesen oft mein Gedanke, und entsprechend erschien es mir dann auch bei den Milieus, die mir nicht so vertraut waren, - wie zum Beispiel dem provinziellen ostdeutschen Schauplatz Chemnitz, auch damals schon naziverseucht, und wie man sich da als LinkeR oder AlternativeR an das alltägliche Übel gewöhnte und sich darin einrichtete und wie einer oder einem die entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen wie nebenbei in Fleisch und Blut übergegangen waren - nicht weniger glaubhaft: „So wird es wohl gewesen sein.“

Die Milieuschilderungen einerseits, und zweitens die Entwicklungen machen einen guten Roman aus. Nachdem die junge Ich-Erzählerin aus Dresden weg und zum Studieren nicht wie die meisten nach Berlin, sondern eben nach Chemnitz gegangen ist, landet sie, in ihrer eigenen Rückschau noch recht naiv und unbedarft, in den erwähnten Studi-, WG- und Politszenen. Im zweiten Teil des Romans wird dann also die Frauenband mit dem selbstironischen (!?) Namen gegründet. Selbstermächtigung. Eigendefinition. Selbstbehauptung. Ich setze eine Passage hin: -

Wir [...] sprachen darüber, wie es so ist, als Frauen Musik zu machen. Superbusen hatten wenig Blödes erlebt, aber es waren bisher auch nur sehr kleine Konzerte mit wohlwollendem Publikum gewesen. Amanda, Maxi und Bahar hatten allerdings schon ziemlich viel Unfug mitgemacht, von paternalistischen Technikern über johlende Männer im Publikum, rassistische und sexistische Anzüglichkeiten seitens der Veranstalter bis hin zu normalen Übergriffen, denen Frauengruppen im Nachtleben ausgesetzt sind, war alles dabei. „Es ist immer so eine Sache“, erklärte Mentorin Amanda, mittlerweile leicht angesoffen, uns, die wir ihr lauschten und begeistert in Gedanken Notizen machten, „mit dem Selbstbewusstsein. Für viele Typen ist man arrogant, wenn man nicht bettelt und lieb fragt. So ist das auch auf der Bühne. Sobald man ganz selbstverständlich macht, was man machen will, halten die Leute einen für eingebildet und übergeschnappt. Dann muss die Frau wieder auf die Spur gebracht und in ihre Schranken verwiesen werden. Bei Männern ist es normal oder `gesundes Selbstbewusstsein´, von Frauen wird immer Bescheidenheit eingefordert. Sie sollen sich anstrengen für Aufmerksamkeit, aber bitte nicht zu sehr. Sie sollen ehrfürchtig sein, aber dabei nicht zu hilfsbedürftig wirken, dann nimmt man sie nicht ernst. Sie müssen den perfekten Spagat schaffen zwischen Stärke und Schwäche. Sie dürfen keine Opfer sein, aber auch nicht zu weit gehen.“ Alle nickten. Es ist ätzend, dass Frauen, wenn sie sich zusammenfinden, nicht drum herumkommen, diese Dinge zu thematisieren. Männerbands können sich ausschließlich auf ihre Musik konzentrieren.

Solcherlei Reflexionen rund um die fiktive Frauenband lassen sich natürlich fast bruchlos auf sämtliche sonstigen Berufsfelder, auf Fußballspielerinnen, Handwerkerinnen, Managerinnen, Politikerinnen etc. übertragen. Solch eine Relevanz der erzählten, historisch zurückliegenden Geschichte in Bezug auch auf heute drängende Probleme - das wäre ein dritter Punkt, was für mich einen guten Roman ausmacht. Indem sie ja erst einen Anlass gibt, ihn überhaupt zu schreiben, der über das plumpe Unterhaltungsgeschäft zu kommerziellen Zwecken hinausgeht. Und auch auf der unmittelbar politischen Ebene hat der Roman Aktualität, indem sich die geschilderte Zeitspanne bis zu den Vorgängen 2018 in Chemnitz erstreckt, mit den berüchtigten Nazijagden auf Ausländer, die dann aber laut dem damaligen Verfassungsschutz-Präsidenten Maaßen keine waren, woraufhin er für seine amtliche Verharmlosung auf einen besser dotierten Job weggelobt worden war.

Und dann wird der Roman, als wäre das noch nicht genug, in diesem dritten, im heute angesiedelten Teil, auch noch auf sehr eindringliche Weise … ich sage mal: persönlich. Ich will nicht zuviel spoilern und verrate nur soviel: Die Ich-Erzählerin muss feststellen, dass es die Gemeinschaftserlebnisse und kollektiven Strukturen wie seinerzeit in den WGs, in der Polit- und der Musikszene - nur für sie? - heute kaum noch gibt. Sie ist auf sich selbst geworfen, was einerseits bitter ist und was sie andererseits aber auch dazu zwingt, sich mit bestimmten Fragen noch einmal unmittelbarer zu konfrontieren.

Ein ganz feiner, ein vielschichtiger Roman. Sehr zu empfehlen!

17. September 2020

Orbitantes und Exorbitantes

Fernsehdokumentarfilm

Vor zwei Wochen hatte ich den Dokumentarfilm über den Kunstmarkt gesehen: „Kunst für Millionen“ von Nathaniel Kahn, gesendet am 31. August im ORF.

Die schönsten Statements in dem Film, von Kunsthändlern, Sammlern und Kunstschaffenden, habe ich in einem eigenen Video versammelt und kommentiert: -


Orbitantes und Exorbitantes

Wenn Sie auf das Bild klicken, können Sie sich das ansehen. (mp4; 8 min., 19 sec.; 55 MB)

Katalogisieren, Drehbuch schreiben, Standbilder herausziehen, Kommentare einsprechen, Bild- und Tonmontage - warum habe ich mir das angetan?

Ich fühlte mich provoziert. Wegen der augenscheinlichen Bezugspunkte und Parallelen einerseits und der himmelschreienden Unterschiede andererseits zu meinem eigenen Werk „Vom Wert der Kunst“ aus dem Jahr 2014 fühlte ich mich dazu provoziert: -


17. September 2020

Gröhlende Männerhorden

Fußballübertragung

Der TSV Hartberg spielt auf ORF Sport+ in Glivice um den Einzug in die Europa-League, parallel dazu gibt es auf dem deutschen Sender Sport1 das Spiel von Wolfsburg gegen den FK Kukesi.

Bei dem Wolfsburger Spiel hören wir die coachenden Trainer und die Kommunikation der Spieler auf dem Feld. Auch das Spiel in Polen findet coronabedingt vor leeren Rängen statt, aber das polnische Fernsehen belästigt uns mit einer darübergelegten Tonspur wie in alten Zeiten.

Dumpf gröhlende Männerhorden, sich stark fühlend und aufgehend im Erlebnis der Masse, unfähig, ein Fußballspiel zu genießen, solange nicht das eigene Team in Front liegt - es könnte einer der wenigen Pluspunkte an der Corona-Krise sein, dass uns das zur Zeit erspart bleibt. Aber nein, das polnische Fernsehen meint, die Kriegsgesänge gehören dazu und das müsse so sein.

(Sport-)Journalistisch betrachtet ist das der Todesstoß. Pure Fake-News sind das, präsentiert ganz ungeniert. Aber wo hört das auf? Kann man sich überhaupt noch sicher sein, dass Hartberg das Spiel wirklich verloren hat? Der österreichische Kommentator hatte während des Spiels halbkritisch und halbironisch die Frage gestellt, ob das polnische Fernsehen im Falle eines Hartberg-Sieges überhaupt auch Konserven von steirischen Schlachtgesängen vorrätig gehabt hätte?

Die polnischen Konserven jedenfalls - ich verstehe ja kaum Polnisch, aber sie kamen für mich als ein ganz besonders dumpf unartikuliertes und geistlos dahinrumpelndes Kriegsgeschrei rüber.

Und interessant fand ich es dann aber auch noch, wie in der zweiten Halbzeit die Motivation des zuständigen Mannes im Übertragungswagen spürbar nachgelassen hatte: Während der ersten war das unnötige Gegröhle mehr oder weniger situationsbedingt an- und wieder abgeschwollen. In der zweiten war der Mann dann, glaube ich, öfter mal eine rauchen gegangen und gab es über weite Strecken nur noch ein ganz gleichmäßig dahinbrüllendes massenhaftes Gegröhle.

31. August 2020

Eine Buchbesprechung im Standard

„Eine neue Wirtschaft“

(von Johannes Gutmann, Robert Rogner und Josef Zotter; Edition A, Wien, 2020)

Selten genug passiert es, dass im Wirtschaftsteil des Standard ein Buch besprochen wird, aber ab und zu gibt es das eben doch, nämlich dann, wenn ein „Aktuelles Wirtschaftsbuch“, wie die entsprechende Rubrik betitelt ist, in der Wirtschaftsredaktion Aufmerksamkeit erregt.

Das „Aktuelle“ an diesem Wirtschaftsbuch ist vor allem: Es hat auch mit der Corona-Pandemie zu tun. Die Besprechung fällt ziemlich knapp aus und kann hier fast ungekürzt wiedergegeben werden: -

Irgendwie scheint den drei Unternehmern die Corona-Pandemie gerade recht zu kommen. […] Jetzt sei der richtige Zeitpunkt, um von der Wachstumsdoktrin abzurücken, sind der Chocolatier, der Mitbegründer des Bogner Bad Blumau und der Kräuter- und Teespezialist (Sonnentor) überzeugt. Jetzt, nach dem Einbruch in nahezu allen Wirtschaftsbereichen, sei die richtige Zeit, um auf ein ökologisches, nachhaltiges Wirtschaftssystem umzustellen.

Wie selbiges im Detail aussehen soll, das ist auch nach Lektüre des Bandes nicht so ganz klar.

Warum wundert mich das nicht? -

Es werden eine Fülle von Initiativen und Alternativen angerissen, ein Gesamtkonzept steht aber nicht.

Das wäre auch zuviel verlangt. -

Klar ist für die drei aber, dass es so nicht weitergehen kann mit der „kapitalistischen Monsterwirtschaft“, die Bürger einzig als Konsumenten schätze. Konsum bringe kein Wachstum und werde deshalb auch den Planeten nicht retten.

Häh, wie jetzt? Ich dachte, die Autoren hielten die Zeit für gekommen, „von der Wachstumsdoktrin abzurücken“. Und jetzt werfen sie dem Konsum, ausgerechnet dem Konsum vor, dass er kein Wachstum bringen würde? -

Genau deshalb dürfe die Welt nicht zurückkehren auf den Pfad vor Corona. Denn der sei nicht nachhaltig, sondern zerstörerisch.

Genau deshalb also, weil der Konsum kein Wachstum bringen und weil er auch den Planeten nicht retten würde, dürfe man nicht auf den Pfad vor Corona zurückkehren, weil dieser, der Pfad, nicht nachhaltig, sondern zerstörerisch sei?

Da drängt sich nun allerdings schon die Frage auf, ob die Autoren tatsächlich so einen Unsinn zusammengeschrieben haben, und falls ja, warum ihnen damit die seltene Ehre einer Buchbesprechung auf den Wirtschaftsseiten des Standard zuteil geworden ist? Weiter: -

Kritisch sehen die drei übrigens auch die Green Economy und mit ihr den Green Deal, mit dem sich die EU aus der Krise hinausinvestieren will. Auch dieser setze auf Wachstum.

Und schwuppdiwupp lehnen die drei Autoren es wieder ab wie oben, das Wachstum, welches nicht zu erbringen sie zwischendurch „dem Konsum“ zum Vorwurf gemacht hatten. Auch die Green Economy, steht da jetzt also, setze auf Wachstum. -

Es brauche aber vielmehr sinnstiftende Arbeit und die Produktion von Qualität.

Und Schluss.

Dieses „Aktuelle Wirtschaftsbuch“ fordert also, kurz gesagt, statt Wachstum vielmehr (oder muss da nicht stehen: „viel mehr“?) sinnstiftende Arbeit und Qualitätsproduktion. Und hat es damit - ich kann meinem Erstaunen nicht genug Ausdruck geben! - zu einer der seltenen Besprechungen im Wirtschaftsteil des Standard gebracht! Wer hat das zu verantworten? Unterschrieben ist die Rezension mit: -

Luise Ungerboeck

Und dann steht da noch fett darunter, und das bedeutet, dass die Geschichte sogar noch weitergeht: -

Kommentar Seite 16

Der Aufzeiger

Ein Kommentar im Standard

Was bisher geschah: Drei Unternehmer hatten sich in einem gemeinsamen Buch Gedanken über „Eine neue Wirtschaft“ gemacht. Auch angesichts des Klimawandels könne es doch nicht immer so weitergehen mit dem ewigen Wachstumszwang der Wirtschaft. Irgendwie war ein Exemplar auch in der Wirtschaftsredaktion des Standard gelandet und von der freien Mitarbeiterin Luise Ungerboeck für eine Besprechung in der Rubrik „Das aktuelle Wirtschaftsbuch“ vorgeschlagen worden. -

„Also, gut. 1800 Anschläge. Geht sich das aus?“, bekommt sie zur Antwort. - „Das ist ein bisserl knapp“, merkt sie an. „Die Dekarbonisierung, die Rolle der Konsumenten und des Konsums, dann eine Fülle von Initiativen und Alternativen, aber noch nirgends ein schlüssiges Gesamtkonzept. Kritisch sehen die Autoren übrigens auch die Green Economy. Denn auch diese …“ - und dann wird es laut ausgesprochen, das böse, das kritische, das Stichwort für den „Aufzeiger“, wie er hier allgemein hinter vorgehaltener Hand genannt wird - „Auch die Green Economy beruht auf Wachstum.“ -

„Hat hier jemand etwas gegen das Wirtschaftswachstum gesagt?“ Eric Frey schreckt aus seinen Friedman-Studien hoch. Die Kollegen versuchen zu kalmieren: „Ein kleines Buch nur. Luise macht das schon. Es geht nur um 1800 Anschläge.“ -

„In einem Kommentar auf den Meinungsseiten werde ich aufzeigen, dass es illusorisch ist, eine Wirtschaft ohne Wachstum auch nur zu denken!“, ruft er in die Runde. Wieder hat er seinem Spitznamen alle Ehre gemacht. „Ich brauche dazu ebenfalls 1800, nein, ich verlange 2500 Anschläge!“ Schon lange wagt der Vehemenz des „Aufzeigers“ hier niemand mehr zu widersprechen.

Und so kam es, dass außer der knappen Buchbesprechung von Luise Ungerboeck in dieser Ausgabe auch ein relativ langatmiger Kommentar von Eric Frey zum Buch der drei Unternehmer erschienen ist.

Und wie es in diesen Fällen immer so seine Art ist, dramatisierte er darin wieder die angedachte nicht mehr wachsende zu einer schrumpfenden Wirtschaft, zeigte in seiner eigenwilligen Ökonomie mit der zugehörigen Terminologie auf, dass der Großteil des Wirtschaftswachstums heute nicht mehr in Form von Produktion und Konsum generiert würde, sondern in Form von (nicht produzierten und konsumierten?) „Dienstleistungen“.

Dann flocht er wie nebenbei die Nebelkerze und Themaverfehlung ein, dass eine allgemeine Arbeitszeitverkürzung, „wie sie nun vielfach gefordert wird, [von den Buchautoren aber wohl nicht?] den Arbeitslosen wenig nutzen, aber den Fachkräftemangel in wichtigen Branchen verschärfen“ würde.

Um nach der Abschweifung, die des Autors umfassende Kenntnisse signalisieren soll, wieder zum eigentlichen Thema zurückzukehren und abschließend noch die zwei Punkte aufzuzeigen, die er dann regelmäßig für seine besten Trumpfkarten hält: Ohne Wirtschaftswachstum, schreibt er dann immer, ließe sich nicht die Armut von „Milliarden von Menschen“ auf der Welt lindern, geschweige denn beseitigen, (wenn man von Umverteilung wie Eric Frey mal geflissentlich absieht,) und auch für die Klimawende bräuchte es - davon ist er ehrlich überzeugt, und immer wenn er es sagt, ist er auch selber wieder von der Größenordnung schwer beeindruckt - „Milliarden an Investitionen“. -

Der „Aufzeiger“ hat wieder aufgezeigt. In der Wirtschaftsredaktion des Standard ist man übereingekommen, ihm nun wirklich keinen Anlass mehr dazu zu liefern. In der Wirtschaftsredaktion des Standard wird nun die Denkbarkeit und Möglichkeit eines Wirtschaftens ohne Wachstum grundsätzlich nie mehr Erwähnung finden.

23. August 2020

Heute im Fernsehen

100 Jahre Jedermann

Tobias Moretti ist der aktuelle Jedermann und Caroline Peters ist seine Buhlschaft, aber auch die früheren Jedermann-Darsteller Klaus Maria Brandauer, Peter Simonischek, Cornelius Obonya und Philipp Hochmair und andere Buhlschaften deklamierten heute an allen Ecken und Enden von Salzburg aus dem Stück, denn seit genau 100 Jahren wird dort die Rumpellyrik deklamiert, was natürlich gefeiert werden muss, und die Mimen können ja auch und gerade in diesen harten Corona-Zeiten das Geld sehr gut gebrauchen.

Unser Bundespräsident Alexander Van der Bellen musste die Vorstellung aus Repräsentationsgründen über sich ergehen lassen, sein deutsches Pendant Frank-Walter Steinmeier hingegen war freiwillig da und wie die anderen Laien und Kunstbanausen im Publikum von dem Gereime möglicherweise sogar angetan. Auch Peter Lohmeyer, Michael Masula, Pauline Knof und viele Prominente mehr wurden bei dem Jubiläumsgerumpel gesehen.

Viele waren natürlich in erster Linie zum Netzwerken oder Geschäfte vereinbaren da, also um zu sehen und gesehen zu werden, aber viele fahren auch nach 100 Jahren immer noch unbedarft nach Salzburg und erwarten sich vom Jedermann einen Kunstgenuss. Und die meisten von ihnen, so sie denn auch nur ein wenig Kunstgespür haben, sind dann regelmäßig nach der Vorstellung enttäuscht, (was seit nunmehr 100 Jahren in sämtlichen Medien konsequent verschwiegen wird,) und weil aber die Schulerziehung in Deutsch und speziell in Lyrik in Österreich und Deutschland so dürftig ist, wissen sie dann oft nicht, wo die dumpf polternde Leere herstammt in ihrem Kopf nach ihrem Besuch des Jedermann. Dem wenigstens kann und möchte ich hier abhelfen und es aufklären: Es kommt von der Rumpellyrik.

Ja, denn es gibt tatsächlich gute Reime, und es gibt schlechte Reime. Das ist keine Geschmackssache! Bis zu einem gewissen Grad lässt es sich recht gut objektivieren. Vor ein paar Jahren hatte ich, basierend auf Karl Kraus, ein Tutorial erstellt zum Verfassen guter Reime. Und auch der Jedermann kam in dem Video vor und lieferte zur Abschreckung die schlechten: -


22. August 2020

Heute im Standard

Christopher Nolan und ich

Wegen der Corona-Krise kommt der neue Film von Christopher Nolan „Tenet“ verspätet um ein halbes Jahr jetzt erst ins Kino. Die Hommage an den klassischen Agentenfilm à la James Bond ist wahrscheinlich wieder hauptsächlich in den Farben Schwarz, Blau und Schwarzblau gehalten, wie es in Nolans Filmen immer der Fall und was auch der Grund dafür ist, dass ich seine Werke nicht unbedingt zu meinen Lieblingsfilmen zähle. Ich mag nämlich keine in Schwarzblau gehaltenen Blockbuster.

Aber wie da die Kritik des Standard anhob mit einer Anekdote aus seiner Jugend, die Nolan vor kurzem bei einer virtuellen Pressekonferenz zu „Tenet“ erzählt hat, da fühlte ich mich ihm doch plötzlich mehr denn je verbunden. Nachdem er 1977 mit seinem Vater den ersten James-Bond-Film im Kino gesehen hatte, hatte er nach seiner Schilderung damit begonnen, mit dessen Super-8-Kamera Filme mit seinen Actionfiguren zu drehen.


Mein Erstlingsfilm


Mein eigener allererster filmischer Gehversuch entstand nämlich ebenfalls - ich werde aber schon so etwa elf gewesen sein - genau auf diese Weise. Wenn Sie auf das obige Bild klicken, können Sie ihn sich ansehen. (mp4; 50 sec., 30 KB)

Leider kenne ich Nolans Jugendwerk nicht, (wenn es überhaupt noch erhalten ist,) aber in der Kritik zu seinem neuen Film heißt es dann weiter, bis heute würde er möglichst darauf verzichten, Filmbilder digital nachzubearbeiten. Eine weitere Parallele! Denn ich selbst habe sogar überhaupt noch nie Bildmaterial digital nachbearbeitet. Und ich war sogar noch puristischer: Nicht einmal die Stop-Motion-Technik, was ja durchaus das Nächstliegende und Übliche gewesen wäre, war in jenem meinem Erstlingswerk zum Einsatz gekommen. (Allerdings hatte jene Kamera meiner Eltern auch noch keine Einzelbild-Schaltung.)

Analog nachbearbeitet hatte ich aber sehr wohl, wie man hier sehen kann, und gleich von Anfang an, schon als Elfjähriger. Man beachte die händisch aufgebrachten Kratzer, als Leuchtspurmunitionsgarben-Special-Effect, im folgenden Standbild zu sehen in der rechten oberen Ecke:


Mein Erstlingswerk


Bis heute setzt sich Christopher Nolan, wie es in der Standard-Kritik weiter heißt, für den Erhalt der alterwürdigen Kinokultur ein und vor allem auch für die Rettung des analogen Materials als Filmbildträger. Ich aber habe es verkratzt, von Anfang an. Vielleicht ist es deshalb nichts geworden mit meiner Filmemacherkarriere.

19. August 2020

Science-Fiction

Einen schönen Science-Fiction-Film habe ich heute gesehen, im 3. Bayerischen Fernsehprogramm. Ach, ich liiieeebe Science-Fiction!


Science-Fiction


Wenn Sie auf das Bild klicken, können Sie sich Ausschnitte ansehen. (mp4; 3 min., 7 sec.; 114 MB)

Bevor es jetzt zum „Medientagebuch“ wurde, war mein Tagebuch ein …

Corona-Tagebuch

Corona-Zeichnung

„Corona“ (Victor Halb, Mai 2020)

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